Was machen Pfadfinder eigentlich??

Genau das hab ich auch gefragt, als ich mit 13 Jahre zum ersten mal von einem Klassenkameraden von den Pfadfinder gehört habe.

Ich hoffe ich kann diese Frage mit diesem Text einigermaßen beantworten.

Der Gründer der Pfadfinderbewegung Lord Baden-Powell pflegte zu sagen: "Scouting is doing", das heißt für uns "man packt's an!"

Wenn wir im Zeltlager Brot backen wollen, werden nicht Wochen vorher seitenlange theoretische Abhandlungen in den Gruppenstunden gehalten, wie man so etwas anstellt. Im Lager setzt man sich kurz zusammen bespricht die Sache und legt los. Wenn es dann beim ersten mal nicht klappt wird der Ofen verbessert und der zweite Versuch gestartet.
In der Pfadfinderstufe ist es so, dass die Sippen während des Sommerlagers selbständig planen und wirtschaften. Sie bauen Ihre Zelte, Eß- und Kochstellen selbst auf. Achten darauf, dass der Platz und die Sippenkiste aufgeräumt und immer genug Feuerholz vorhanden ist.    

Auch für die Zubereitung des Essens ist die Sippe selbst zuständig. Im Pfadfindersommerlager gibt es keine Zentralverpflegung. Es versteht sich von selbst, dass die Führer die Sippen und deren Kornetten/ Verpflegungswarten mit Tipps und Vorschlägen unterstützen. Für den Fall, dass mal eine Malzeit danebengeht halten sie auch immer ein paar Dosen Texaseintopf o.ä. parat. Uns ist es wichtig, dass die Sippen Verantwortung übernehmen und selbständig ihren Lebensbereich verwalten. Wenn sich eine Sippe mal zwei Stunden hinstellt Kartoffeln schält und reibt um Reibeplätzchen zu backen, hat diese Mahlzeit einen besonderen Wert. Sie sehen, dass Kochen mit Arbeit verbunden ist und wissen daher ihre Mahlzeiten zu schätzen.

Da unsere Sommerfahrten meist ins nahe Ausland gehen, wollen wir diese Länder auch genauer kennen lernen und Kontakt zu den Menschen knüpfen. Am besten eignet sich dafür der Hajk. Der Hajk ist eine 3-Tägige Wanderung die die Sippe, ausgestattet mit Zelt, Kochtopf, Lebensmittel und allem Lebensnotwendigen unternimmt. Während dieser Zeit ist die Sippe auf sich allein gestellt. Bei jüngeren Sippen geht meist ein Führer mit, der aber nur "mitläuft" und nur eingreift, wenn die Sippe im Begriff ist sich zu vernavigieren d.h. einen großen Umweg läuft, oder versehentlich die vereinbarte Route verlässt. Während dieser Wanderung muß die Sippe Aufgaben lösen. Meist handelt es sich dabei u.a. um eine Stadterkundung, bei der eine lokale Sage in Erfahrung gebracht werden muß. Spezialaufgaben sind auch sehr beliebt, wir mußten schon mal Marmelade kochen oder Brot backen. Bei der Lösung dieser Aufgaben ist man oft auf die Hilfe Einheimischer angewiesen. Auf diese weise sind schon viele Brieffreundschaften entstanden. Und so manches Halstuch hat als Gastgeschenk den Besitzer gewechselt. Auch die Übernachtung beim Bauern in der Scheune oder in der Kothe auf einer Wiese oder im Wald sind ein einziges großes Abenteuer. (Erlebnispädagogik um mal ein Schlagwort zu nennen)

Das Leben in kleinen Gruppen ist ein besonderes Merkmal der Pfadfinderei. Gemeinsames essen, bauen, spielen und arbeiten kennzeichnen unsere Läger und Fahrten. Im Lager kommt man als "Einzelkämpfer" nicht weit. Man verliert als Gemeinschaft und gewinnt auch als Gemeinschaft. Eine in sich zerstrittene Sippe hat im Lagerwettkampf keine Chance. Daher gibt es so etwas auch nicht! Wo Menschen zusammen arbeiten und leben muß man auf den anderen Rücksicht nehmen und lernen Kompromisse einzugehen. Nach dem Essen müssen halt  Geschirr und Töpfe gespült und abgetrocknet werden. Das ist keine sehr beliebte Tätigkeit! Aber sie muss halt erledigt werden und es ist klar, das da nicht immer die gleichen drankommen. In solchen Fällen muß eine faire Lösung her! Man kann es nicht jedem rechtmachen. (Ich hab früher auch lieber Fußball gespielt) Daher muß der einzelne seine persönlichen Interessen (z.b. Fußballspielen) mal zurückstecken und in den "sauren Apfel beißen". Im Beruf ist das später ja nicht anders, auch da geht's nicht immer nach dem eigenen Kopf.

Natürlich sind die Anforderungen die an den Einzelnen gestellt werden unterschiedlich groß. An dieser Stelle möchte ich wieder unseren Gründer Lord Baden-Powell zitieren, der sagte zu diesem Thema: "Look at the Boy" das heißt für uns: Auf den Einzelnen kommt es an! An Jeden werden die Anforderungen gestellt die seinem Alter und seiner Erfahrung entsprechen.


In der Wölflingsstufe wird hauptsächlich gespielt und Fähigkeiten möglichst spielerisch vermittelt. Die Rudel, so heißen die Untergruppen in der Meute (weiß, grau, und braun) sind reine Spielgemeinschaften. Die Leitwölfe (Wölfling der "Chef" eines Rudels ist) haben keine wirkliche Leitungsaufgabe und die damit einhergehende Verantwortung. Er leitet sein Rudel lediglich bei Spielen. Der Wahlspruch der Wölflinge lautet: "Mein Bestes" und mehr wird von ihnen auch nicht verlangt. Jeder soll sein bestes geben, an jedem wird ein eigener Maßstab angelegt.

In der Pfadfinderstufe ist es so, dass die Sippen und deren Sippenführer/Kornetten (Kornett ist ein Sippenführer der den 2.Grad und einen sogenannten Kornettkurs abgelegt hat) eine größere Verantwortung haben. Sie organisieren ihr Sippenleben selbst und halten eigene Gruppenstunden ab, die sogenannte Sippenstunde. Sie verwalten das sippeneigene Material wie Kothe, Töpfe, Küchenmaterial usw. selbst. Haben eine eigene Sippenkasse und sorgen dafür, dass das Sippenmaterial in gutem Zustand und stets einsatzbereit ist.

Das ist mit einer Menge Arbeit verbunden. Natürlich kann der Sippenführer nicht alles allein machen. Deshalb gibt es die sogenannten Sippenämter. Jeder Sippling kann sich ein solches Amt wählen, je nachdem für was er sich am meisten interessiert. Es gibt folgende Sippenämter: Kuratenhelfer, Bote, Chronist, Spielwart, Heimwart, Sportwart, Sanitäter, Schatzmeister, Zeugmeister, Verpflegungsmeister, Kartograph und Waldläufer. Jedes Sippenamt umfaßt ein ganz bestimmtes Aufgabengebiet. Der Sippling muss in seinem Gebiet besonders fit sein. Er wird zum Experten in diesem Gebiet. Jeder Pfadfinder sollte etwas Morsen können. Aber der Bote sollte das Morsen sicher beherrschen, daneben noch Semaphor und einige Geheimschriften. So bringt jeder seine speziellen Fähigkeiten in die Gemeinschaft ein. Das erst macht eine gute Sippe aus. In Westenholz gibt es zur Zeit im Jungentrupp drei Sippen. Die Sippe Kondor, die Sippe Falke und die Sippe Fuchs. Der Mädchentrupp besteht zur Zeit aus der Gilde Eichhörnchen.

Der Wahlspruch der Pfadfinder lautet: Allzeit Bereit! Und das wird von Ihnen erwartet. Immer dann mit anzupacken, wenn Ihre Hilfe von Nöten ist.

Die Roverstufe setzt sich aus den Älteren zusammen. Meist handelt es sich dabei um erfahrene Pfadfinder, die lange Jahre Wölfling und Pfadfinder waren. Seiteneinsteiger sind in dieser Runde eher selten. Die Rover kümmern sich um die großen Projekte des Stammes z.B. den Lagerplatz, Jurtenabende, den Gruppenraum etc. Im Lager erwartet man von einem Rover, dass er Probleme erkennt und sie selbständig löst, ohne dass der Lagervogt (Lagerleiter) besondere Anweisungen gibt. Durch die große Erfahrung, die sie in Ihrer Zeit in den Sippen gewonnen haben, klappt das ziemlich gut. Der Wahlspruch der Rover lautet "Ich dien".

Wir sind katholische Pfadfinder und nehmen diese Tatsache auch ernst. Alle unsere Gruppenstunden beginnen mit einem Gebet. Die Pfadfinder beten: Ewiges Wort... Die Wölflinge: Herr Jesus Christus du liebst uns so sehr.... und auch die Rover haben ihr eigenes Gebet. Ich kann ruhigen Gewissens behaupten, dass in den letzten 12 Jahren keine Gruppenstunde anders begonnen hat. Während eines Zeltlagers begrüßen wir jeden Morgen (Morgenrunde) und Verabschieden jeden Tag (Abendrunde) mit einem Gebet. An dieser Stelle möchte ich mal unser traditionelles Abendgebet vorstellen:

Bevor das Tageslicht verweht, oh Herr der Welt hör die Gebet.
Behüte uns in dieser Nacht durch deine große Güt und Macht.
Hüll Schlaf die müden Glieder ein ,laß uns in dir geborgen sein
und mach am Morgen uns bereit zum lobe deiner Herrlichkeit.
Denn du oh Vater reich an Macht der über uns voll Güte wacht.
Und mit dem Sohn und heil'gen Geist des Lebens fülle uns verheißt.

Ebenso ist es für uns selbstverständlich das wir während des Lagers/ der Fahrt am Sonntag in die Kirche gehen.

Der Patron der Pfadfinder ist der heilige Georg, daher der Name Georgsbund.
12 Jahre Georgsbund Stamm Sankt Joseph Westenholz konnten wir letztes Jahr feiern. Das ist für einen Pfadfinderstamm eine lange Zeit. Viele die damals als kleine Wölflinge angefangen haben, sind jetzt schon Rover und Führer im Stamm. So schließt sich mittlerweile der Kreis wieder. Der Stamm ist wie sein Namensgeber im Wald. Er verändert sich ständig, weil er lebt. Er wird von den Leuten gestaltet die in Ihm aktiv sind. In frühen Jahren veranstalteten wir meist nur große Zeltläger. Wir waren reine Scoutisten wie das in Fachkreisen heißt. Mittlerweile gehen die Pfadfinder und Rover oft auf Fahrt. Dieses hat unser Stammesleben bereichert: Viele so genannte "bündischen Elemente" sind dazugekommen. Dieser Ausdruck geht auf die Bündische Jugend und die Wandervogelbewegung zurück von denen wir viele Lieder singen. Auch hat die Jungenschaftsjacke mittlerweile mehr und mehr den Blauen BW-Pulli abgelöst. Das heißt aber nicht, dass wir keine Läger mehr machen oder keine blauen Pullis mehr tragen. Auf die richtige Mischung "Bündischer" und "Scoutistischer" Elemente kommt es an, um eine spannende und Zukunftsweisende Jugendarbeit zu gestalten.

Die Pfadfinderidee ist zeitlos. Sie macht bewußt nicht jede Modeerscheinung mit. Wenn das anders wäre würde sie vermutlich schon nicht mehr existieren. Trotz einigen Veränderungen in den letzten 12 Jahren halten wir ein einige Grundelementen fest die unsere Art von Jugendarbeit kennzeichnen.

Pfadfindergesetz, Wahlspruch, Versprechen. (Wie sie von der Weltpfadfinderorganisation WOSM gefordert werden), Erprobungen, Leben in kleinen Gruppen, Leben in der freien Natur

Diese sechs Punkte sind uns wichtig!


Sollten noch Fragen offen geblieben sein, dann schreibt eine Mail an:

Stamm(at)georgsbund.de

Frank 01/2003