Rover

"Kaum einer von uns wird sein Leben lang Pfadfinderarbeit machen!"


Dieser harte, aber wahre Satz bildet einen der Kernpunkte der Roverarbeit und zeigt seine Perspektive auf. Roversein begleitet den Pfadfinder und die Pfadfinderin auf den letzten Schritten des Erwachsenwerdens. Man entwickelt aus der Gruppe und mit deren Unterstützung das Erwachsensein.

Pfadfinderarbeit ist Jugend- und keine Erwachsenenarbeit, dass ist ein nicht zu wiederlegendes Faktum und daran will auch niemand etwas ändern. Nur es liegt aber an der Pfadfinderarbeit die Jungen und Mädchen durch ihre gesamte Jugend zu begleiten und nicht mittendrin aufzuhören, nur weil ein Stichtag überschritten ist.

Wir müssen mit einem solchen Verständnis von Roverarbeit wohl damit leben, dass nicht immer alle Rover bei den Aktivitäten und Gruppenstunden dabei sind. Denn die Roverarbeit ist ein Ablöseprozess der schleichend vor sich geht und an dessen Ende ein Leben steht, dass geprägt von Beruf und Familie ist. Man darf also niemandem es verübeln, wenn er eines Tages nicht mehr auftaucht, dies ist der Lauf der Dinge, dies ist ein unverhinderbares Faktum und wenn die Gruppenführer, vom Akela bis zum Stammesführer, ehrlich zu sich sind, haben sie es sogar so gewollt. Das heißt natürlich nicht, dass wir uns allesamt Freuen wie ein kleines Kind, wenn einer der alten Säcke noch einmal für ein Lager oder eine Fahrt zurückkommt und noch einmal alles so wie früher ist.

"Wir wollen, dass die Jungen und Mädchen vernünftig erwachsen werden können."

Das Führerverständnis bleibt vom Roversein unabhängig. Ein Führer entscheidet sich zu mindest auf Zeit für einen Weg mit den Jungen und Mädchen. Er knüpft sein Pfadfindersein an die Gruppe und nicht an seine eigene Entwicklung. Das Pfadfinderführer parallel an ihrer eigenen Entwicklung arbeiten ist selbstverständlich und zeigt die Enge Verbundenheit des Führerverständnis mit dem Roversein auf.

Die Unabhängigkeit von Führern und Rovern erklärt, dass es für einen Rover auch keine Verpflichtung geben kann eine Gruppe zu übernehmen. Auch ist kein Führer dazu zu verpflichten an den Gruppenstunden und Aktionen der Roverrunde teilzunehmen.

Ein Rover weiß um die unterschiedlichen Wege die man im Leben gehen kann und sieht dieser Tatsache mit Ruhe und Gelassenheit entgegen, weil er in seinem Pfadfinderleben gelernt hat Probleme zu meistern und Entscheidungen zu treffen. Dazu kommt das sichere Wissen einen Ort der Zuflucht zu kennen, an dem keiner fragt warum er kommt, sondern sich jeder freut das er da ist, wo es ein offenes Ohr gibt und wenn er es will auch einen guten Rat bekommt.

"Pfadfinder bleibe ich mein Leben lang, auch wenn ich dieses Hemd hier nicht mehr trage!"

Aber die aktive Roverarbeit darf nicht nur um sich selbst drehen, sondern muss sich als ein Teil des Pfadfinderstammes verstehen. Dazu gehört, dass für einen Rover die gleichen Regeln der Alkohol- und Nikotinlosigkeit gelten und das die Arbeit das Wohl des gesamten Pfadfinderstammes im Auge hat. Die Roverarbeit darf nicht in ihrem Elfenbeinturm sitzen und sich auf ihren Fahrten selbst feiern, sondern muss sich als eine aktive Gruppe verstehen, die ihr Bestes zum Gesamtkunstwerk Pfadfinderstamm beiträgt. Die oben angeführten Punkte machen jedoch klar, dass Roverarbeit nicht einzig und allein Dienstleister ist, sondern auch ein eigenständiges pädagogisches Konzept verfolgt.

"Ich diene!"

Otter 05/03